PROKON Interessengemeinschaft

PROKON – Was ist passiert?

 

Im Dezember 2013 veröffentlichte die PROKON auf deren Internetseite eine vorläufige „Teilkonsolidierte Zwischenbilanz zum 31.10.2013“. Darin weist die PROKON-Unternehmensgruppe einen Verlust von über 194 Mio. Euro aus. Infolge dieses Verlustes ist offensichtlich das Stammkapital aufgezehrt worden, so dass nunmehr auch des Genussrechtskapital für die angehäuften Verluste haftet. Die rund 75.000 Genussrechts-Anleger der PROKON müssen nunmehr mit erheblichen Verlusten ihrer Einlagen von insgesamt rund 1.400 Mio. Euro rechnen.

Verschärft wird die Situation dadurch, dass das Unternehmen offensichtlich nur über eine Liquiditätsreserve von 5% des Genussrechtskapitals verfügt. Dies lässt sich dem Schreiben der PROKON vom 10.01.2014 entnehmen. Darin fordert PROKON seine Anleger auf, eine Bestätigung abzugeben, mit der die Anleger auf Kündigungen der Genussrechte bis mindestens zum 31.10.2014 verzichten bzw. bereits ausgesprochene Kündigungen zu widerrufen. Wer dennoch kündigen wolle, wird moralisch unter Druck gesetzt, da er bewusst eine Insolvenz der PROKON in Kauf nehme und entscheidend zur Vernichtung von 1.300 Arbeitsplätzen beitrage.

Offensichtlich infolge der veröffentlichten desaströsen Zahlen Dezember 2013 haben hunderte Anleger ihre Genussrechte gekündigt. Bis heute liegen Kündigungen von zusammen mehr als 202 Mio. Euro vor. PROKON ist offensichtlich nicht in der Lage, den Rückzahlungsansprüchen nachzukommen. So schreibt das Unternehmen, dass eine Planinsolvenz nur verhindert werden kann, wenn mindestens 95% des Genussrechtskapitals die Zusage erteilt, der PROKON das Kapital mindestens bis zum 31.10.2014 nicht zu entziehen und darüber hinaus einer Auszahlung innerhalb von 12 Monaten, die auch in Raten erfolgen kann, zustimmt. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass PROKON wohl nur in der Lage ist, kurzfristig lediglich 5% des Genussrechtskapitals zurückzuzahlen. Dementsprechend dürfen die aktuellen Kündigungen 70 Mio. Euro nicht übersteigen. Aufgrund der Tatsache, dass die ausgesprochenen Kündigungen in den letzten Tagen von 150 Mio. Euro auf jetzt über 200 Mio. Euro angewachsen sind, dürfte dieses Unterfangen scheitern und eine Insolvenz unausweichlich sein.

Das Geschäftsmodell der PROKON

PROKON – die Abkürzung steht für PROjekte und KONzepte – wurde 1995 von Carsten Rodbertus gegründet mit dem Unternehmensziel, in erneuerbare Energien zu investieren. Zunächst verkaufte PROKON Kommanditanteile an geschlossenen Windparkfonds. Ab 2007 veränderte sich das Geschäftsmodell: Heute finanziert sich PROKON fast ausschließlich über Genussrechte, die an Privatanleger vertrieben wurden. Per 15.01.2014 weist das Unternehmen ein Genussrechtskapital von 1,4 Milliarden Euro und 75.285 Inhaber aus. Das Unternehmen investiert nicht mehr nur in Windenergie, sondern auch in Biokraftstoffe und Biomasse und ist als Stromversorger tätig. Anfangs waren die Genussrechte mit einer Haltedauer von 5 Jahren oder länger und einer Kündigungsfrist von 6 Monaten ausgestattet. Seit Anfang 2013 wurde die Haltefrist für die Genussrechte des Typ A  auf sechs Monate reduziert und die Kündigungsfrist auf einen Monat reduziert, offensichtlich um neue Anlegergruppen zu erschließen. Diese Änderungen des Geschäftsmodells hin zu einer Kurzfristfinanzierung war aus unserer Sicht einer der größten unternehmerischen Fehlentscheidungen.

Was sind Genussrechte?

Genussrechte sind gesetzlich nicht geregelt. Es handelt sich um schuldrechtliche Beteiligungsrechte, die sehr unterschiedlich ausgestaltet sein können. In den meisten Fällen wird eine feste Grundverzinsung vorgesehen verbunden mit einem Rückzahlungsversprechen. Die Ausgestaltung kann von jedem Ausgeber von Genussrechten individuell gestaltet werden. Genussrechte geben aber keine Mitwirkungsrechte an der Geschäftsführung und begründen auch kein Stimmrecht für den Inhaber. Das von Anlegern auf die Genussrechte gezahlte Kapital hat Eigenkapitalcharakter, da es dem Unternehmen langfristig oder unbefristet zur Verfügung steht. Der Genussrechtsinhaber nimmt an den Gewinnen aber auch an den Verlusten der Gesellschaft teil. Im Insolvenzfall ist der Genussrechtsinhaber nachrangig gegenüber anderen Gläubigern des Unternehmens zu behandeln, wird also als letzter befriedigt. Deswegen gelten Genussrechte auch als hochriskante Anlageform.

Warum droht PROKON die Insolvenz?

PROKON finanziert langfristige Investitionsgüter wie Windkraftwerke mit kurzfristig kündbaren Genussrechten. Wenn viele Anleger sich von ihren Papieren trennen und keine ausreichende, diesen Fall einplanende, Liquiditätsreserve besteht, müssen Vermögenswerte veräußert werden. Da sich Windkraftwerke jedoch nicht kurzfristig verkaufen lassen, kann bei anhaltender Kündigung von Genussrechtskapital nicht genügend Geld flüssig gemacht werden, um die Rückzahlungen zu bedienen. Dann droht die Zahlungsunfähigkeit, die zwingend zur Insolvenzantragsstellung führt. Dieser Fall ist nunmehr eingetreten.

Im Jahr 2013 wurde von den Anlegern Genussrechtskapital i.H.v. 132,69 Mio. Euro gekündigt. Aktuell haben sich die Kündigungen trotz der hilflosen Aufrufaktion der PROKON auf über 200 Mio. Euro erhöht. Die meisten Kündigungen dürften im November und Dezember des vergangenen Jahres ausgesprochen worden sein, so dass die Rückzahlungen zum 31.12.2013 fällig waren bzw. zum 31.01.2014 fällig werden. Über die Höhe der derzeit vorhandenen kurzfristig verfügbaren liquiden Reserven schweigt sich PROKON auf der Internetseite aus. Aus dem Umstand, dass PROKON im Schreiben vom 10.01.2014 von 95% des Genussrechtskapitals bis zum 20.01.2014 die feste Zusage benötigt, der Gesellschaft das Kapital mindestens bis zum 31.10.2014 nicht zu entziehen und ausgesprochene Kündigungen zurückzunehmen, lässt darauf schließen, dass sich die liquiden Reserven maximal auf 70 Mio. Euro (= 5% von 1.400 Euro Genussrechtskapital) belaufen. Da aber infolge der ausgesprochenen Kündigungen in den nächsten Wochen Rückzahlungen i.H.v. 200 Mio. Euro fällig werden, dürften die liquiden Reserven in Kürze aufgezehrt sein.

Was geschieht mit den Genussrechten in der Insolvenz

Die wirtschaftlichen und rechtlichen Folgen einer Planinsolvenz unterscheiden sich nach dem Gesetz nicht von denjenigen bei einer Regelinsolvenz. Zunächst werden andere Gläubiger befriedigt – etwa Banken, Beschäftigte oder Lieferanten. Erst wenn deren Forderungen vollständig ausgeglichen sind und noch Geld übrig ist, können Inhaber von Genussscheinen mit Zahlungen rechnen.