Zweifelhaftes Geschäftsmodell

Die negative Berichterstattung über die Verwendung der Anlegergelder durch das Windkraftunternehmen PROKON Regenerative Energien GmbH geht weiter. So warnt die Zeitschrift „Finanztest“ in der Septemberausgabe vor dem Kauf von Genussrechten der PROKON. Die Verbraucherzentrale Hamburg hält sogar ein „riesiges Schneeballsystem“ für möglich.

Finanztest kritisiert, dass PROKON bis 2018 rund zehn Milliarden Euro von Anlegern einwerben will, ohne sich im Prospekt auf konkrete Projekte festzulegen. Der PROKON-Prospekt enthält keine Kapitalflussrechnung, sodass nicht erkennbar sei, ob durch das operative Geschäft genug Kapital zufließt, um die Verpflichtungen abzudecken. Bisher haben fast 70.000 Anleger 1,2 Milliarden Euro in PROKON-Genussrechte investiert. Allerdings sind Windparks mit hohen Renditen trotz staatlicher Förderung oft keine sichere Geldanlage, wenn sie mit völlig überzogenen Prognosen geplant wurden.

 Fehlbeträge im Jahresüberschuss

Der Hauptvorwurf gegen PROKON besteht darin, dass der Gewinn im operativen Geschäft nicht ausreicht, um daraus 8 % Zinsen zahlen zu können.

Der Bilanzexperte Prof. Michael Olbrich vom Institut für Wirtschaftsprüfung der Universität des Saarlandes hat für die ARD-Sendung plusminus analysiert und festgestellt, dass aus dem Jahresüberschuss der PROKON die geleisteten Zinszahlungen nicht erwirtschaftet werden können. Er kommt auf einen Fehlbetrag von 45,4 Millionen Euro.

Es liegt der Verdacht nahe, dass aus der Substanz der eingenommenen Anlegergelder ausgeschüttet wird. Dementsprechend spricht die Verbraucherzentrale Hamburg von einem möglichen „riesigen Schneeballsystem“.

Auch die Öffentlichkeitsarbeit der Unternehmensleitung ist alles andere als vertrauenserweckend. PROKON verweigerte sich gegenüber den Medien zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen und spricht von einer „Medien-Hetz-Kampagne“.

 Anleger sind zur Vorsicht aufgerufen

Im Gegensatz zu Aktien bestehen für Anleger, die Genussrechte der PROKON erworben haben, keine Mitbestimmungsrechte. Genussscheine unterliegen auch nicht wie Sparguthaben einer Einlagensicherung. Im Falle der Insolvenz hat das Unternehmen das Recht, Anlegern ihre Genussscheine verspätet, in Teilen oder gar nicht zurückzuzahlen (Totalverlust).

Bei möglichen Falschberatungen, der Zeichnung aufgrund eines irreführenden Verkaufsprospekts, wie ihn das OLG Schleswig bereits festgestellt hat, oder einem nachweisbaren „Schneeballsystem“ sind Schadensersatzansprüche denkbar, die dem Investor zu einer Rückabwicklung verhelfen.

Sollten Sie hierzu Fragen haben und Rat von Fachanwälten für Bank- und Kapitalmarktrecht wünschen, kommen Sie gerne auf uns zu. Als Ansprechpartner stehen Ihnen Herr Rechtsanwalt Heiko Müller sowie Herr Rechtsanwalt Andreas Yoon und Herr Rechtsanwalt Martin Seidel unter kanzlei@baum-reiter.de oder 0211/836 805 70 zur Verfügung.
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