PROKON: Pleite!

Das in Schieflage geratene Windkraftunternehmen PROKON Regenerative Energien GmbH hat den Kampf um die Abwehr der Insolvenz verloren. Am 22.01.2014 musste PROKON bei dem Amtsgericht Itzehoe Insolvenzantrag stellen (28 IN 11/14). Rechtsanwalt Dr. Dietmar Penzlin wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

PROKON finanzierte sich überwiegend über Genussrechte und sammelte von über 75.000 Kleinanlegern 1,4 Mrd. Euro ein. Die Genussrechts-Anleger müssen sich in der Insolvenz jetzt hinten anstellen, da sie als Eigenkapitalgeber hinter allen anderen Gläubigern befriedigt werden.

Prokon Genussrechtsinhabern drohen Verluste

Anleger müssen jetzt mit empfindlichen Verlusten rechnen. Ausweislich der von PROKON auf deren Interseite veröffentlichten Zahlen ist das Stammkapital vollständig aufgezehrt und das Genussrechtskapital bereits mit über 100 Mio. Euro angegriffen worden.

Ein Totalverlust dürfte allerdings unwahrscheinlich sein. Wie hoch die Verluste für die Anleger aber  tatsächlich sein werden und mit welcher Quote zu rechnen ist, kann derzeit niemand seriös sagen, da PROKON seit 2011 keine nachvollziehbaren und insbesondere testierten Zahlen mehr vorgelegt hat. Es bleibt auch abzuwarten, ob die von Rodbertus stets hervorgehobenen stillen Reserven tatsächlich gehoben werden können. Fest steht, dass die Erträge der PROKON aus den Windenergieanlagen seit Jahren hinter den Prognosen zurückgeblieben sind. Seit 2011 konnte PROKON aus dem operativen Geschäft nicht annähernd die Erträge erwirtschaften, die es den Anlegern an Zinsen versprochen hatte. Wenn die verfehlten Prognosezahlen des Unternehmens Grundlage für die Bewertung der stillen Reserven waren, dürfte sich hier ein massiver Korrekturbedarf ergeben.

Durch das Insolvenzverfahren kommt nun erstmals ein unabhängiger Sachverstand von außen in das Unternehmen, der prüfen kann, ob das Geschäftsmodell der PROKON tatsächlich tragfähig ist. Die Bestandsaufnahme des Insolvenzverwalters wird zeigen, welche Vermögenswerte tatsächlich vorhanden sind und ob eine Fortführung des Unternehmens lohnt.

 Was sollten Anleger jetzt tun?

Anleger sollten jetzt vor allem Ruhe bewahren und sich über die aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden halten. Derzeit gibt es für sie nicht zu veranlassen. Es laufen für Anleger weder Fristen noch sind Termine zu beachten.

Die Frage, ob Kündigungen vorteilhaft sind, hat sich erledigt, da das Genussrechtskapital fällig wird, sobald das Insolvenzverfahren durch das Amtsgericht Itzehoe eröffnet wird. Anleger die ihr Genussrechtskapital bereits gekündigt haben, werden leider keine Zahlungen mehr erhalten, selbst wenn diese noch rechtzeitig vor der heutigen Antragstellung einen Vollstreckungstitel erlangt haben, da mit dem Insolvenzantrag ein Vollstreckungsverbot verhängt wurde.

Wichtig für die auf mehr als 75.000 Anleger versprengte Gläubigergemeinschaft ist jetzt, dass sie ihre Interessen bündeln, um auf Augenhöhe mit dem Insolvenzverwalter über den Insolvenzplan verhandeln zu können.

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